Lob des Wannenbades

Lob des Wannenbades

Eines der frühesten Zeugnisse der Kultur des Wannenbades geht auf Diogenes zurück. Die antiken Überlieferungen berichten, dass Diogenes jeden Samstag Nachmittag sein Fass in die Waagerechte brachte und mit warmem Wasser füllte. Während er sich der überaus notwendigen Körperpflege hingab, wollte Alexander der Große, der sich gerade in Korinth aufhielt, dem berühmten Philsophen seine Aufwartung machen. Alexander grüßte Diogenes freundlich und fragte, womit er ihm dienen könne. “Reiche er mir die Seife”, antwortete dieser ihm. Die von Konzentration auf das Wesentliche geprägte Antwort beeindruckte Alexander sehr und er rief aus: “Wahrlich, wäre ich nicht Alexander, ich möchte wohl Diogenes sein.” In der langen Reihe der weltbewegenden Erfindungen steht das Wannenbad in einer Reihe mit dem Fahrrad und dem Dampfkochtopf.

Zu meinen geliebten samstäglichen Ritualen gehört unbedingt das Wannenbad. Im Gegensatz zum schnellen täglichen Duschen wird das Liegen in der Wanne von mir richtig zelebriert. Während ich mich sorgfältig rasiere, läuft das heiße Wasser ein. Jahrelanges Experimentieren mit den unterschiedlichsten Badezusätzen, Schäumen und Salzen haben mich zu der Erkenntnis gebraucht: Das Einfache ist das Beste. Zwei bis drei Esslöffel Olivenöl machen das Wasser und Haut geschmeidig. Auf einem kleinen Beistelltisch neben der Wanne steht ein Glas Rotwein und liegt ein Buch. Gerne auch das iPad, aber Vorsicht – es ist sehr wasserscheu! In früheren Jahren gehörte noch eine Zigarre zu den wichtigen Accessoires. Eine Doppelcorona hat genau die Länge für ein opulentes, anderthalbstündiges Bad. Ein Badeschwamm dient mir als Kopfstütze. Verpönt im Bad sind jede Art von Smartphone und andere klingelnde Kollegen. Der ruhige/ungestörte Genuss der Lektüre und des Weines, während das warme Wasser den Körper leicht macht, ist für mich jedes Mal ein Höhepunkt der Woche und der Start in ein angenehmes Wochenende.