Lob des Landlebens

Landleben an der Sieg

Lob des Landlebens

In zahllosen Artikeln wird dem Leben in der Stadt gehuldigt. Die Vorzüge erscheinen zahllos und unwiderlegbar. Der freiwillige Landbewohner, zu dem ich mich zähle, – vor zehn Jahren aus Düsseldorf an die Sieg gezogen,verzichtet auf vieles. Kultur: Wir haben in unserem Dorf (220 Einwohner) keine vier Opernhäuser wie die Berliner.Bei uns gibt es kein Guggenheim Museum wie in Bilbao und leider fehlt uns auch der Eiffelturm, sonst könnten wir den gesamten Westerwald überblicken. Aber möchte ich das? Nein danke!

Es gibt auch gewichtige Gründe für ein Leben in der Stadt- es muss ja nicht gleich Köln sein – Ärztliche Versorgung: Statistisch gesehen kommen auf jeden Einwohner 1,3 Ärzte. Da sind wir klar im Nachteil. Bei unseren engagierten Hausärztinnen im Nachbardorf muss der Patient auch schon mal drei Stunden warten. Man trifft dort aber immer Nachbarn die gerne den neuesten Dorfklatsch erzählen. Kriminalität: Die Kriminalitätsrate liegt gerade so über dem Messbereich. Für umherziehende Diebesbanden sind wir uninteressant, da der Fluchtweg zur Autobahn ca. fünfunddreißig! Kilometer lang ist. Also kann der Schlüssel auch mal auf der Haustür stecken bleiben, und das Fahrrad wird auch nicht abgeschlossen. Wehr an der SiegLuftverschmutzung: Das Ausbringen von Gülle ist mit der Feinstaubbelastung von Hamburg  zu vergleichen. Nach einem kräftigen Landregen ist die Luft aber wieder so sauber wie zuvor. Verkehr: Während in Köln rechnerisch alle 80m eine Ampel steht, in der Regel auf Rot, fahre ich über Land 20km bis ich eins dieser seltenen Hindernisse sehe. Allerdings hat sich der PKW Verkehr an unserem Haus vorbei seit 2008 um 80% erhöht! Von vier auf sieben Fahrzeuge. Einkauf: Alle Discounter sowie Drogeriemärkte und Raiffeisen Handlungen, Apotheke, Bank, Tankstelle sind schnell erreichbar. Was fehlt, und da ist Düsseldorf mit der Kö im Vorteil, sind Läden wie Hermes, Prada und Gucci. Mittlerweile machen aber mobile Händler wie Amazon, Saturn und Bos Food den größten Teil Ihres Geschäftes mit Landbewohnern. Durch das Verbrennen der nutzlosen Kartonagen sparen wir im Jahr ca. 900L Heizöl bzw. drei Raummeter Tannenholz. Mieten/ Kaufen: Um am urbanen Hipster Lebensgefühl teilhaben zu können, zahlen Mieter und Käufer wahnwitzige Preise für jede abgewohnte Butze. In ländlichen Gegenden kann ich dagegen für einen Spottpreis Häuser mit schönem Garten oder 4-5 Zimmer Wohnungen mieten oder kaufen.Nacktschnecke frisst Asseln In Frankfurt bekomme ich für den Gegenwert gerade mal eine Garage. Lebensqualität: Eindeutig ein Plädoyer für das Land. Wir haben schnelles Internet und Netflix. Wir müssen keinen Ausflug ins Grüne machen, wir wohnen ja im Grünen. Ich muss nicht krampfhaft nach Entschleunigung suchen, die Menschen hier, waren schon immer entschleunigt. Und wenn schon der Heuschnupfen grassiert, dann begegne ich ihm lieber auf dem Land, wo mich nicht jeder anniest.

Als gepflegter Altersruhesitz ist das Leben in ländlicher Idylle unbedingt zu empfehlen. Und lebendig ist es durch die vielen jungen Familien, die aus der Stadt geflüchtet sind.

Sommerstimmung an der Sieg

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