DU!

„Liebe Angela, was denkst Du denn über Deine MinisterkollegenInnen? Bist Du eigentlich mit allen per Du?“, begann ich meinen Brief. Aber nein, in Wahrheit schrieb ich natürlich: „Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, was denken Sie …?“.

In den letzten Jahren hat sich Deutschland in eine Duz-Republik verwandelt. Auslöser war Ikea mit seinem Werbespruch „Lebst Du noch, oder wohnst Du schon?“ Die Ikearisierung des Duzens hat sich epidemisch verbreitet. Kaum ein Konzern, bei dem der Kunde, natürlich ungefragt, nicht geduzt wird. Ob YouTube oder Instagram, ob Facebook oder Chefkoch.de, von jedem werde ich kumpelhaft in die Community aufgenommen. Unentschlossen in der Anrede ist Wikipedia. Mal Sie, mal Du. Erstaunlicherweise werde ich bei Ebay und Amazon als geschätzter Kunde mit Sie angeredet. Ansonsten ist der flächendeckenden Distanzlosigkeit nicht zu entkommen. Egal ob 16 oder 106, geduzt wird jeder. Die Chinesen haben es auf die Spitze getrieben, hier ist DU sogar ein geläufiger Vorname … Elegant ist Helmut Kohl das Thema angegangen. Bei einem seiner häufigen Treffen mit seinem Amtskollegen Reagan, so die Legende, soll er ihm jovial vorgeschlagen haben: „Ronald, my friend, you can say you to me.“ Was der amerikanische Präsident darauf erwiderte, ist leider nicht überliefert.

All jenen, die nicht ungefragt plump geduzt werden wollen, empfehle ich DU DieUrbane ­ eine neue Partei, 2017, gegründet. Aus ihr könnte ein Sammelbecken werden für alle, die gerne mit Sie angeredet werden, bis sie selbst entscheiden, dass es Zeit ist, zum DU überzugehen. Auch wenn das dem ein oder anderen als steinzeitlich vorkommen mag.

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