Quäl dich, du Sau !

Quäl dich, du Sau !

Udo Bölts bei der Tour de France 1997 zu Jan Ullrich

Mit diesem Spruch habe ich mich oft selbst angefeuert, wenn eine Steigung endlos schien oder das Straßenschild 15 Prozent Steigung verkündete. Mit stoischem Gleichmut treten, schwitzen,  treten und schwitzen, treten und schwitzen. Bis oberhalb der Baumgrenze, bis der Vordermann im Nebel verschwand. Aufgeben hätte mich deprimiert und mir das Gefühl gegeben: Jetzt bist du alt. Lieber leiden. 
 

Vor einigen Jahren sah ich dann die ersten E-Bikes, hässliche Geräte mit Tiefeinstieg, also absolut unmöglich. Aber ab jetzt wurde ich an Anstiegen von asthmatischen Rentnern überholt, die zur Zeit Konrad Adenauers das letzte Mal ihre Torpedo-drei-Gang-Nabe geölt hatten – und seitdem vergammelten ihre Räder im Keller. Locker unterhielten sie sich auf ihrem neuen E-Bike thronend mit ihrer Angetrauten, kein Schweißfleck verunzierte die beige Funktionsjacke. Und ich quälte mich weiter.

Die Steuereinheit
Das Cockpit

Das Umdenken – und beim Radfahren hat man viel Zeit zum Nachdenken – setzte ein, als ich immer öfter und immer länger auf meinen Freund Manfred warten musste. Manchmal schwitzend, oft frierend stand ich auf klammen Kuppen, bis er endlich gegen die Hangabtriebskraft gesiegt hatte. Manfred verweigerte lange Zeit jedes Gespräch über die Möglichkeit der elektrischen Unterstützung. Erst ganz langsam reifte bei uns der Gedanke, dass ein E-Bike nicht unbedingt eine Kapitulation vor dem Alter ist. Junge, drahtige Mountainbiker nutzten hemmungslos die neue Technik. Dann plötzlich unterhielten wir uns häufiger über Akkuleistung, Unterstützungsmodi und Hardtail oder Fully. Gespräche mit dem Radhändler unseres Vertrauens (danke, Ralf!), Kataloge und Webseiten studieren – und endlich, endlich war es soweit: Die Konfiguration – ein schönes Wort, es klingt nach Maßanzug und edlen Materialien – unseres E-Bikes stand an. Größe, Farbe, Klick- oder normale Pedale,  der langjährige erprobte Brooks oder doch ein prostatafreundlicher Sattel usw.

Nach der ersten Ausfahrt mit ständigem Grinsen im Gesicht ist mir klar: Es war eine verdammt gute Entscheidung! Berge verlieren ihren Schrecken, steile Schotterstrecken werden lässig bewältigt. Der persönliche Radius wird immer größer, und ich fühle mich mindestens 15 Jahre jünger.  Das E-Bike als Anti-Aging-Maßnahme. Und auf Manfred muss ich nun auch nicht mehr warten.

 

Hier drei Links zu interessanten Webseiten:

Quäl Dich – Pässe der Tour

Radservice in Ruppichteroth

Zwar aus Köln, aber trotzdem gute Fahrräder

 

Einmal London mit 17 Jahren erleben

Mit 17 Jahren habe ich mir einen Traum erfüllt. Alleine nach London und mir Einiges ansehen.

Das Reisegeld habe ich mir beim Gärtner gegenüber in 3 Wochen verdient.
Mein Fahrrad war frisch geputzt und überholt.Mit 2 Zwischenstopps in der Eifel und in Brüssel bei einem Lehrer und Verwandten erreichte ich bald Ostende.
Dort stellte ich mein Fahrrad unter und fuhr mit der Fähre nach Dover.
Leider hatte ich keine Fahrplan-App, deshalb musste ich in Dover auf dem Bahnsteig übernachten und erlebte eine wunderschönen Sonnenaufgang.
Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Bus nach London.

Orientierung mit Hilfe analoger Apps

Zur Oreintierung in der großen Stadt London hatte mir ein Englischlehrer eine Trick genannt.
Als Navigations-Apps hatte ich eine Stadtkarte und eine U-Bahn-Karte.
Wenn ich irgendwohin wollte, dann sollte ich mir die U-Bahnstation merken, an der ich einsteige und dann die nächste U-Bahn nehmen. Dann bei der nächsten Station mit der U-Bahn-Karte vergleichen, ob ich richtig gefahren bin. Wenn nicht sollte ich die gegenüberliegende U-Bahn nehmen und zurückfahren.

Dieser Trick hat toll geklappt. So kam ich dann auch am Youth-Hostel an.

Leider war dieses Youth-Hostel total belegt. Aber man konnte mir eine Adress in Tuffnelpark geben, wo noch Schlafplätze frei sein sollten.

Mit Orientierungshilfe des Lehrers klappte es dann wunderbar nach Tuffnelpark zu fahren.

Am Tuffnelpark bekam ich wirklich einen Schlafraum, den ich mir mit 2 Franzosen teilen musste.

London entdecken

Mit Ihnen ging ich auch mal Abends in die Musikszene in einen tiefen Keller. Beim Eintritt wurde ich gefragt: „Are You eighteen?“ Mein „Yes“ genügte und ich konnte die Musik geniessen. Für mich als Jungen vom Lande ein ganz neues Gefühl.

In der Schule haben wir häufig vom Speakers-Corner im Englischunterricht gehört. Deshalb wollte ich die Gelegenheit nutzen, um ihn mir mal selbst anzusehen. Für mich war es sehr beeindruckend. Die Schilder auf Brust und Rücken zu sehen. Wie die Menschen damit umherliefen.

 

 

Und den Redner auf einem Schemel mit einer größeren Zuhörerschaft zu erleben. Ganz ungezwungen. Und farbige Menschen im Gespräch.

Downingstreet 10 war auch auf meiner Liste der Sehenswürdigkeiten.

Und natürlich war die Wache am Schloss ein “Muss” auf meiner Tour.

 

 

“Tradition trifft Minirock”

So habe ich das Bild rechts genannt.
Damals war das für mich ein Highlight, heute ist es selbstverständlich.

 

Abschied von England

Leider war meine Reisekasse bald leer. Trotdem ich mich vorwiegend von Baguett und Butter ernährte.

Aber schön war es doch!!!

Die weissen Klippen von Dover – fast im Nebel – haben mich dann verabschiedet.
Die Tour mit 17 Jahren alleine nach London hat mir sehr viel Freude gemacht und ich erinnere mich noch heute gerne daran!

 

Einen bunten und lebhaften Blick auf das London 1967 können Sie erleben, wenn Sie das folgende Youtube-Video (nur in Englisch) anschauen!

Swinging Britain in the 60s: A Psychedelic Dream (1967)  British Pathé